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Pflegewissen

chinesische Ulme (Ulmus Parviflora)

Die Original-Pflegeanleitung der Bonsaiwerkstatt Berlin.

PDF · Pflegeanleitung

Pflegeanleitung Chinesische Ulme (Ulmus parvifolia)

Herkunft:
China und Südostasien
Laub/Nadel:
Laubbaum; bei kühler Überwinterung laubabwerfend bis halbimmergrün
Blühend:
ja, unscheinbar
Fruchttragend:
ja

Standort

Die Chinesische Ulme wird im Handel sehr häufig als Zimmerbonsai angeboten. Nach unserer Erfahrung ist eine dauerhafte Haltung im warmen Wohnraum jedoch nicht optimal. Insbesondere im Winter führt die Kombination aus hoher Raumtemperatur und geringer Lichtintensität häufig zu schwachem Austrieb, langen Internodien, Blattverlust und einer allmählichen Schwächung des Baumes. Wir betrachten die Chinesische Ulme deshalb eher als Kalthausbonsai. Vom Frühjahr bis weit in den Herbst sollte sie möglichst im Freien stehen. Ein heller, sonniger bis halbschattiger und luftiger Standort ist ideal. Sonne, Wind und natürlicher Regen fördern kräftiges, kompaktes Wachstum. Nach längerer Zimmer- oder Gewächshaushaltung muss der Baum langsam an direkte Sonne und niedrigere Temperaturen gewöhnt werden.

Gießen

Während der Wachstumszeit hat die Chinesische Ulme einen deutlichen Wasserbedarf. Sobald die Substratoberfläche beginnt abzutrocknen, wird gründlich gegossen, bis Wasser aus den Ablauflöchern der Schale austritt. Der Wurzelballen darf nie vollständig austrocknen, gleichzeitig ist dauerhafte Staunässe zu vermeiden. Bei heißem Sommerwetter muss der Feuchtigkeitszustand täglich, bei kleinen Schalen gegebenenfalls mehrmals täglich kontrolliert werden. Besonders positiv reagiert die Chinesische Ulme nach unserer Erfahrung auf natürlichen Regen. Auch während der kühlen Überwinterung stellen wir die Bäume bei frostfreier Witterung und Temperaturen oberhalb von etwa 5 °C gern zeitweise ins Freie in den Regen. Häufig lässt sich danach sehr kurzfristig eine deutliche Aktivierung der Knospen und neue Blattbildung beobachten.

Schneiden

Ulmus parvifolia wächst bei guter Kultur kräftig und eignet sich hervorragend zum Aufbau einer sehr feinen Verzweigung. Neue Triebe lässt man je nach Entwicklungsziel zunächst mehrere Blätter lang wachsen und schneidet sie anschließend auf etwa 1–2 Blattpaare zurück. Bei einem Baum im Aufbau dürfen ausgewählte Triebe länger wachsen, um Stamm oder Äste gezielt zu verdicken. Ein vitaler Baum reagiert auf Rückschnitt zuverlässig mit neuer Knospenbildung und Rückknospung. Permanentes Kurzhalten ohne ausreichende Wachstumsphasen sollte vermieden werden, da dies den Baum langfristig schwächen kann. Größere Strukturkorrekturen erfolgen vorzugsweise während einer kräftigen Entwicklungsphase oder vor dem Frühjahrsaustrieb.

Drahten

Junge Triebe und Zweige lassen sich gut drahten, ältere Äste werden relativ schnell steif. Der Draht wird in gleichmäßigen Windungen angelegt und die Äste anschließend vorsichtig positioniert. Bei gutem Wachstum verdicken Ulmen sehr schnell; deshalb muss der Draht regelmäßig kontrolliert und rechtzeitig entfernt werden, bevor er in die Rinde einwächst. Bei feiner Verzweigung ist die Gestaltung über wiederholten Schnitt – „clip and grow“ – häufig die schonendere Methode. Stärkere Äste können zusätzlich mit Spanndrähten abgesenkt werden.

Düngen

Vom Frühjahrsaustrieb bis in den Spätsommer wird regelmäßig gedüngt. Geeignet sind organische Feststoffdünger wie Biogold oder Bonsaimaster sowie organische Bonsai-Flüssigdünger. Bäume im Aufbau dürfen kräftiger versorgt werden, während bei reifen Bonsai die Düngung so gesteuert wird, dass Internodien und Blätter nicht unnötig groß werden. Bei kühler Überwinterung und weitgehender Wachstumsruhe wird nicht oder nur sehr zurückhaltend gedüngt. Nach dem Umtopfen oder bei einem deutlich geschwächten Baum wartet man mit der Düngung, bis wieder aktives Wachstum erkennbar ist.

Umtopfen

Junge, stark wachsende Chinesische Ulmen werden meist alle 1–2 Jahre, ältere und gut etablierte Bonsai etwa alle 2–3 Jahre umgetopft. Der beste Zeitpunkt ist das zeitige Frühjahr, wenn die Knospen anschwellen, der neue Austrieb aber noch nicht weit entwickelt ist. Die Art bildet viele feine Wurzeln und verträgt bei guter Vitalität einen sachgerechten Wurzelschnitt. Lange, kreisende und ungünstig wachsende Wurzeln werden reduziert und ein flaches, radial aufgebautes Feinwurzelsystem gefördert. Das Substrat sollte strukturstabil und sehr gut drainierend sein, beispielsweise auf Basis von Akadama mit Bims und/oder Lava.

Überwinterung

Obwohl die Chinesische Ulme häufig als Zimmerbonsai verkauft wird, empfehlen wir ausdrücklich eine kühle Überwinterung. Ideal ist ein geschützter Kalthausstandort, beispielsweise ein unbeheiztes Gewächshaus, ein Folienhaus oder ein vergleichbarer heller bis mäßig heller, kalter Bereich. Temperaturen etwa zwischen 0 und 10 °C sind sehr gut geeignet. Leichter Frost wird von gut abgehärteten Exemplaren meist vertragen; die tatsächliche Frosthärte hängt jedoch stark von Herkunft und bisheriger Kultur ab. Frisch importierte oder bisher ausschließlich warm gehaltene Bäume dürfen deshalb nicht plötzlich starkem Frost ausgesetzt werden. Die kühle Winterruhe wirkt sich nach unserer Erfahrung deutlich positiv auf Vitalität und kräftigen Frühjahrsaustrieb aus. Eine warme Überwinterung im Wohnraum sollte möglichst vermieden werden: Bei etwa 20 °C bleibt der Stoffwechsel aktiv, während das natürliche Winterlicht häufig nicht für gesundes Wachstum ausreicht. Bei frostfreier Witterung über etwa 5 °C können wir die Ulme zeitweise ins Freie stellen; natürliche Regengüsse werden erfahrungsgemäß sehr gut angenommen und können den beginnenden Austrieb deutlich stimulieren.

www.bonsai-berlin.de

Falls die Originaldatei nicht erreichbar ist: mail@bonsai-berlin.de

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